Gromolo: Wenn die Worte fehlen, erfinden wir neue

Schwert im Bilderrahmen

Was ist Gromolo?

Gromolo ist eine frei & spontan improvisierte Phantasiesprache. Manche nennen sie auch “Kauderwelsch”, “Grammelot” oder “Gibberisch”,  ich finde “Dada-Bla” passt am besten. 

Lorem ipsum… ein weit verbreiteter Text in Pseudo-Latein, der als Platzhalter zur Veranschaulichung von Layout und Schriftbild dient (bis Inhalt folgt), das ist der vermutlich berühmteste Gromolo-Text. Ein Laie würde es für Latein halten, aber der Text ergibt übersetzt nur Unsinn.

Das einzige Gesetz der Spielsprache Gromolo schreibt vor: kein verständlicher Inhalt!

Das Lautbild kann sich an echten Sprachen orientieren und diese imitieren, es gibt jedoch keine Regeln, man könnte z. B. auch nur mit Klicklauten kommunizieren oder so verworrenes Deutsch sprechen, dass die Botschaft nicht ankommt.

Es ist nicht das Ziel, eine neue Sprache zu erschaffen, die neuen Worte sind nur ein flüchtiges Mittel zum Zweck für den Moment bzw. die Szene. Gromolo ist ein Happening!

Gromolo ist die Sprache der Clowns und wurde im Dadaismus in Lautgedichten verwendet. Durch das Vortragen inhaltloser, unverständlicher Texte wollten die Dadaisten dem Publikum einen Spiegel vorhalten und es provozieren. Die Begeisterung großer Teile der Bevölkerung für den Ersten Weltkrieg war für Dadaisten aufgrund der unmenschlichen Vorgänge nicht nachvollziehbar. Sie unterstellten, dass die Menschen jeglichen Verstand verloren hätten. Da blieb nur noch Kopfschütteln und die Flucht in den Irrsinn. Deshalb starteten die Dadaisten die Bewegung der Anti-Kunst… Kunst sollte nicht mehr als nettes Beiwerk zur Unterhaltung des Bürgertums oder zur Ablenkung vom Alltag dienen. Kunst sollte zum Nachdenken anregen, inspirieren und den Horizont erweitern!

Auch im Improvisationstheater wird in diversen Spielformen Gromolo verwendet. Es gibt Formate, in denen ein Spieler in Gromolo spricht und dann ein Dolmetscher in echte Sprache mit Inhalt übersetzt. Der Interpretationsspielraum ist hier enorm groß und gibt dem Übersetzer maximale Freiheit, in welche Richtung die Szene führen soll. Beim der Anwendung von “Gromolo-Switch” wird durch ein Zeichen wie Klatschen, der sofortige Wechsel der Sprache befohlen. Der Spielfluss darf dabei nicht unterbrochen werden, das nächste Wort muss augenblicklich nach dem Signal in der jeweils anderen Sprache gesagt werden – am besten ohne Atem zu holen-, sonst entsteht der gewünschte Umschalt-Effekt nicht.

Wirrwarr der Wörter

Was ist der Sinn von Gromolo?

Durch das Fehlen konkret erfassbarer Inhalte, verschiebt sich der Fokus bei der Verwendung von Gromolo auf den Ausdruck. Stimme (Lautstärke, Betonung, Sprechgeschwindigkeit), Körpersprache und der Einsatz von Gestik & Mimik können mit Hilfe von Gromolo wunderbar trainiert werden, da man den Text getrost “vergessen” kann. Emotionen müssen verstärkt eingesetzt werden, um den Interpretationsspielraum für die Mitspieler und das Publikum zu begrenzen. So kann man Ausdruck trainieren und die Beobachtung schulen.

Das Nutzen von Phantasiesprache ist ein wunderbares Mittel, Hemmungen abzubauen.  Da man sich ohnehin zum Idioten macht, hat man nicht mehr viel zu verlieren und das wirkt sehr befreiend. Ich finde, es gibt keine andere Sprache, in der man so hemmungslos frei und ohne Angst vor den Folgen schimpfen kann. Auch die Wohlfühlzone der Mitspieler lässt sich einfacher respektieren (vor allem, wenn man diese nicht kennt), da das Gegenüber nur das annimmt, was es verstanden hat bzw. verstehen will. 

Gromolo-Übungen bieten die Möglichkeit, die eigene Ambiguitätstoleranz (auch Unsicherheits- oder Ungewissheitstoleranz) zu erweitern, also die Fähigkeit mehrdeutige oder widersprüchliche Aussagen bzw.  Situationen zu ertragen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, die Vorteile von Gromolo sind:

  • für Groß und Klein international verständlich
  • Botschaften können durch Emotionen übermittelt werden
  • Meinungsfreiheit und Meinungsfeigheit können parallel voll ausgelebt werden
  • und das wichtigste: es macht Spaß!

Also, weg mit der Selbstzensur:

Lass die Sau raus und wenn du dich nicht traust, dann sorge dafür, dass man dich nicht versteht!