Vergänglichkeit als Prinzip: Das Happening

Der Vorhang fällt, wir schaffen eine neue Welt!

… sie wird im Anschluss untergehn – nein, es gibt kein Wiedersehn!

Tür einrennen

Was ist ein Happening?

Ein Happening ist ein künstlerisches Ereignis, das sich in Interaktion mit dem Publikum entwickelt und zum Teil improvisiert wird. Oft plant der Künstler die Geschehnisse als Provokation mit Schockwirkung. Bei vielen Happenings werden Gegenstände beschmutzt, beschädigt oder zerstört, sodass der ursprüngliche Zustand nicht wiederhergestellt werden kann. Ein Happening lebt von der Reaktion des Publikums und entwickelt sich abhängig von dieser. Demnach ist auch der Zufall, das Unvorhersehbare und Unplanbare eine wichtiger Aspekt. Wann ein Happening beginnt und endet, ist oft nicht klar auszumachen, die Übergänge sind oft fließend. Da das Geschehen durch das Publikum beeinflusst wird, ist ein Happening per Definition ein einmaliges Event, das nicht wiederholt werden kann.

Wer hat es erfunden?

Ich behaupte, die Dadaisten haben das Happening erfunden, auch wenn dem Ding erst viel später (in den 1960er im Rahmen der Aktionskunst) ein Name gegeben wurde. Viele Dada-Abende waren echte Erlebnisse, so etwas gab es auf öffentlichen Bühnen vorher nicht. Dada bezog das Publikum und dessen Erwartungshaltung in die Performance mit ein. Die Provokation gelang damals noch relativ einfach, indem Erwartungen enttäuscht wurden oder auch gezielt provoziert wurde. Die meist zahlenden Gäste bekamen nicht, wofür sie bezahlt hatten und wurden stattdessen manchmal sogar wüst beschimpft. Das war neu. Nicht selten endeten Dada-Abende in öffentlichen Schlägereien und Polizeieinsätzen.

Auch im Improvisationstheater gibt es keine Wiederholungen (außer als Stilmittel innerhalb eines Auftritts), jede Aufführung ist zugleich Premiere und Dernière. Interaktion mit dem Publikum gehört bei Auftritten dazu, indem gezielte Vorgaben für zum Beispiel den Ort des Geschehens und die Beziehung der Spieler zueinander eingeholt werden. Impro ist Teamwork. Wenn ein Impuls von einem Mitspieler kommt, sollte man diesen (in der Regel) annehmen und einfach mitspielen. Man muss einen Teil der Kontrolle abgeben, zu den Vorschlägen und Behauptungen der Mitspieler “Ja-Sagen”,  um gemeinsam eine neue Welt schaffen zu können. 

Gromolo ist immer frei improvisiert und die Sprache existiert in dieser Form nur in diesem Moment, dann gehen die Worte verloren und können auch getrost vergessen werden. Vergänglichkeit ist auch hier ein Prinzip. Ich empfinde den Einsatz von Gromolo immer als ein Happening: wäre ich nicht dabei gewesen, hätte ich das Gefühl, was verpasst zu haben. Gerade deshalb passen Gromolo und Improtheater für mich so gut zusammen. Die Vergänglichkeit wertet den Moment auf.