Geht nicht? Gibt´s nicht! Grenzen überschreiten

Wo liegt die Grenze des Sagbaren?

Eine klare Grenze der Meinungsfreiheit, die in unserem Grundgesetz verankert ist, ist die Menschenwürde. Die Grenzen des Sagbaren verschieben sich im öffentlichen Diskurs immer wieder und das ist auch gut und richtig. Aufforderungen zu Straftaten und Volksverhetzung beispielsweise sind Straftaten und somit nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt, das ist klar.

Doch zwischen Political Correctness, der derzeit heftig debattierten Cancel Culture und den ?#§%*! (Idioten), die das wunderschöne Wort Querdenker unbrauchbar gemacht haben, findet man sich oft auf einem schmalen Grat zwischen freier Rede und Selbstzensur wieder und weiß nicht mehr, was man noch sagen darf – oder will.

Meinungsfreiheit erlaubt auch Meinungsfeigheit

Man muss seine Meinung weder offenlegen, noch muss man zu allem eine Meinung haben. Dennoch ist es nicht ratsam, Emotionen wie Wut und Unverständnis durch sozialverträgliche Selbstzensur generell zu unterdrücken. Emotionen wollen ausgelebt und Wut will rausgelassen werden, sonst erzeugt das erhöhte Stresslevel auf Dauer seelisches Ungleichgewicht. 

Auf Kauderwelsch den Dampf abzulassen ist ein guter Kompromiss, seinen Unmut zu äußern, ohne andere zu verletzen, weil man sich in den Worten vergreift. Der Beschimpfte versteht nicht, was geschimpft wird, muss aber als Reaktion auf den ungewohnten und somit absurd wirkenden Ausbruch lachen oder zumindest schmunzeln. Das Zulassen und Ausleben der Emotionen kann beide Seiten versöhnlicher stimmen.

Beim Gromolo gilt nur das Gesetz, dass kein Inhalt verstanden werden darf.  Ansonsten ist die Phantasie die einzige Grenze. Was man sich nicht vorstellen kann, kann man auch nicht in Worte fassen. Oder es finden sich keine passenden Worte für das, was man sagen will. Denn manchmal bringt einen das Leben in Situationen, die überfordern und deshalb sprachlos machen. Doch sprachliche Barrieren können durch die Nutzung von Kauderwelsch bzw. Gromolo überwunden werden.

kleiner Elefant bewundert Ganesha-StatueGrenzen im Improtheater

Im Improvisationstheater kann man sich nicht nur von sprachlichen Grenzen befreien.

Jederzeit kann ein Mitspieler oder die Regie eine laufende Szene durch ein Klatschen oder ein anderes Signal unterbrechen. Damit wird die Szene kurz gestoppt, als hätte jemand auf “Pause” gedrückt und den Film angehalten. Alle Spieler werden sofort regungslos und verharren in ihrer aktuellen Position im sogenannten “Freeze”. Es erfolgt eine neue Anweisung, die festgelegt wie, wo oder wann es weitergeht. Dann gibt es nochmal das Signal und die Szene spielt der neuen Vorgabe folgend weiter.

Mit dem Tod ist Schluss? Das muss nicht sein!

Natürlich kann einen Szene durch den Tod beendet werden, aber es kann jederzeit auch einfach in eine Parallelwelt oder andere Zeit gewechselt werden. Grundsätzlich sind die Spieler völlig frei, welchen Weg sie einschlagen. Man kann im Jenseits an der Himmelspforte weiterspielen oder vor dem jüngsten Gericht, in der Hölle oder in einer neuen Inkarnation… es könnte auch durch eine Zeitreise interveniert werden, um zu verhindern, dass das passiert, was gerade passiert ist.

Die einzigen Grenzen sind die Vorstellungskraft der spielenden Gruppe und individuelle Wohlfühlzonen. Um keine Gefühle zu verletzen, sollten die Spieler eines Teams ihre persönlichen Grenzen im Team kommunizieren. Das Improvisationstheater eignet sich sehr gut dafür, eigene Grenzen zu erkennen, zu überschreiten und langfristig zu verschieben. Indem man sich überwindet und die eigene Komfortzone verlässt, kann man sehr gut das Vertrauen in sich selbst stärken und den Horizont erweitern.